Donnerstag, Dezember 08, 2005

Das Gedicht für heute...

auch wenn der gute Babits sich im grabe ein paar mal umdreht, ein jämerlicher versuch mein lieblingsgedicht zu übersetzen. ich bitte demütig um entschuldigung!

Babits Mihály-Frage am abend

Wenn die Nacht, diese leichte Decke
Schwarze, glatte samtige Hülle,
Gedeckt von einer mächtigen Amme,
Die behütete Erde langsam einmummte
Und so vorsichtig, dass jeder Grashalm 
Findet unter seinem Umhang einen graden Halt
Und die Blüten bekommen keine Falten
Und der verzierte Flügel des Schmetterlings
Verliert die Regegenbogenbeschichtung nicht,
Und sie ruhen so auf diesem Schatten,
Auf diesem leichten Samtmantel,
Lass sie ihn ohne Last fühlen:
Dann seist du irgenwo in der Welt,
Verkrochen zu hause,
In deiner braunen trüben Stube sitzend 
Oder in einem Café verträumt hütend
Wie jemand den sonnigen Schein der Lichter anzündet;
Oder müde mit deinem Köter auf dem Hügel sitzend
Schaust durch das Laub den trägen Mond wandern,
Oder auf der Landstrasse, von Staub bedeckt,
Dein schläfriger Kutscher dösend lenkt;
Oder auf schwenkenden Boden deines Schiffes taumelnd, 
Auf dem Sofa in dem Zug dämmernd;
Oder in einem fremden Stadt irrend
Bleib an der Ecke ungeniert stehen
Bewundere ferne Straßen und ihre Fäden,
Die Lichter wie zwei Streifen flammend;
Oder grade auf der Riva, in der Wasserstadt,  
Wo das Licht auf matten Opalspiegel zersprang,
Träum über die Vergangenheit weinend
Dessen süße Erinnerungen dich quälen
Über vergangenen Zeiten, welcher wie ein verzaubertes
Bild der Flamme sind bereits, aber auch nicht mehr,
Dessen Erinnerung nie herb wär 
Welche Erinnerung deine Last ist, dein Schatz und mehr:
Da kannst du deinen von Erinnerungen schweren Kopf
Gen Mamornboden senken:
In Schönheit und Wonne wandelnd
Wirst eh feige daran denken:
Wofür diese Schönheit?
Wirst einsam daran denken:
Wofür das seidige Wasser, dieser bunte Mamor?
Wofür die Nacht, diese fliegende Decke?
Wofür die Hügel, wofür das Laub,
Und das Meer, in das niemand säet?
Wofür die Flut, wofür die Ebbe,
Wofür die traurigen Danaiden-Wolken  
Wofür der Stein der Sisyphos-Sonne? 
Wofür die Erinnerung und wofür das Vergangene?
Wofür die Lichter und wofür die Monde?
Wofür die Zeit ohne Ende?
Oder nimm den kleinen Grashalm:
Wieso wächst er, wenn er vertrocknet
Wieso vertrocknet er, wenn er wieder sprießt.