Sonntag, Dezember 18, 2005

Eine Frau
zu meiner heutigen stimmung passt Eszterházy Péter. ich habe heute morgen sein buch "Eine Frau" in die hand genommen mit dem gedanken mich dadrin zu finden. das buch habe ich von einer lieben freundin bekommen, und bis heute nicht vollständig gelesen, das liegt vielleicht an der schwere dermaterie, bzw. der wucht an gedanken die beim lesen kommen. manche ertagen die offene sexualität und die naturalistische darstellung nicht. in dem buch werden 97 frauen "bilder" beschrieben, die vielleicht die selbe frau sind. ich gebe euch ein paar wenige nicht pornografische beschreibungen. achtung ich habe das buch auf ungarisch und habe es selber übersetzt, dh. es könnten unterschiede zur deutschen fassung bestehen.

Eine Frau (22)
Es gibt eine Frau. Ihr geht es mit mir, wie mir mit ihr, sie hasst mich, sie liebt mich. Wenn sie mich hasst, liebe ich sie, wenn sie mich liebt, hasse ich sie. Es gibt keine andere Möglichkeit.

Eine Frau (48)
Es gibt eine Frau. Gy. Wenn ich sie erblicke, muss ich tief einatmen. An Vormittagen wird es mich sogar schwindelig. Ich bin nervös. In meiner Nervösität gähne ich. Das steckt sie auch an. Wir stehen da, sie mit ihrer Schweigsamkeit, mit ihrer Klugheit, natürlicher Liebheit, mit ihren leisen Bewegungen, mit ihrer Rücksicht, ihrer Ängstlichkeit, Reinheit, ihrer Unverdorbenheit, ihrer weisen Unschuld, und ich mit, ich weiß auch nicht mit was, ich bin leer, in meinem inneren ist sie, mit ihrer Schweigsamkeit, mit ihrer Klugheit, natürlicher Liebheit, mit ihren leisen Bewegungen, ihren rührenden Brüsten, mit ihrem Flaum, mit ihrer Rücksicht, ihrer Ängstlichkeit, ihrer Reinheit, ihrer Unverdorbenheit, mit ihren huschenden Schenkeln, ihren unerwartet vorstechenden Knöchel, mit ihrer weisen Unschuld, wir stehen da, und gähnen einander unbeholfen an.

Eine Frau (70)
Es gibt eine Frauhasstmich. Liebt mich. Jetzt gibt es diesen bestimmten liebt, hasst usw. nicht. Ich könnte sagen, dass ich an einem Hand zählen könnte wie oft ich sie gesehen habe, aber selbst dann könnte ich mich nicht äußern, wieviele Finger ich auf dieser einen Hand hätte. Ich stehe neben ihr, wie in einer Bushaltestelle, die Rollen sind nicht verteilt, die Stadt rauscht, dröhnt um uns, also wahrlich ich liebe dich, murmele ich so vor mich hin. Sie glaubt es, oder auch nicht, das heißt manchmal glaubt sie es, manchmal fängt sie an lautlos zu kotzen.